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Kommunen am Limit: Bürgermeister Krützen fordert faire Finanzierung

Die Stadt Grevenbroich hat sich am bundesweiten Aktionstag „Kommunen am Limit“ beteiligt. Mit Bannern am Alten Rathaus macht die Stadt noch bis zum 29.06.2026 auf eine Entwicklung aufmerksam, die viele Städte und Gemeinden zunehmend belastet: Die Aufgaben wachsen, die Finanzierung hält damit aber nicht Schritt.

Auch in Grevenbroich zeigt sich das deutlich. Im Haushalt 2026 stehen Erträgen von rund 243,5 Millionen Euro Aufwendungen von rund 252,0 Millionen Euro gegenüber. Das heißt: Die Ausgaben steigen schneller als die Einnahmen.

Besonders deutlich wird das bei der Kreisumlage. Grevenbroich muss 2026 rund 46,5 Millionen Euro an den Rhein-Kreis Neuss zahlen. Das sind rund 4,8 Millionen Euro mehr als im Vorjahr und fast 12 Millionen Euro mehr als noch 2023. Gleichzeitig schwanken wichtige Einnahmen wie die Gewerbesteuer erheblich. Für 2026 plant die Stadt mit 49,5 Millionen Euro Gewerbesteuer, die aber durch die Kreisumlage fast vollständig aufgebraucht wird.

Hinzu kommen große Aufgaben, die richtig und wichtig sind, aber vor Ort enorme Lasten auslösen. Ein Beispiel ist der Ausbau des Offenen Ganztags. In Grevenbroich sind dafür an neun Grundschulstandorten Investitionen von rund 44,5 Millionen Euro bis 2029 notwendig. Ein erheblicher Teil dieser Last bleibt bei der Stadt, obwohl der Rechtsanspruch nicht auf kommunaler Ebene beschlossen wurde.

Auch die Jugendhilfe steht seit Jahren unter wachsendem Druck. Fälle werden komplexer, Leistungen teurer und die Anforderungen an die kommunale Ebene steigen weiter. Besonders anschaulich wird das an einem Vergleich aus dem Haushalt 2026: Selbst die gesamten Erträge aus der Grundsteuer reichen in Grevenbroich nicht aus, um allein die Aufwendungen für die Hilfen zur Erziehung Minderjähriger zu decken.

Zugleich spürt auch die Stadt Grevenbroich die Inflation jeden Tag. Baukosten, Energie, Dienstleistungen und Personal werden teurer. Dazu kommen immer neue Anforderungen bei Planung, Genehmigung und Umsetzung. Klimaanpassung, Wärmeplanung, Starkregenvorsorge, Artenschutz, Barrierefreiheit und zusätzliche Dokumentationspflichten sind fachlich sinnvoll, binden aber immer mehr Personal, Zeit und Geld.

Bürgermeister Klaus Krützen erklärt: „Wenn selbst die gesamte Grundsteuer einer Stadt nicht mehr ausreicht, um allein einen wichtigen Bereich wie die Hilfen zur Erziehung zu finanzieren, dann zeigt das, wie ernst die Lage ist. Aufgaben, Standards und Kosten steigen immer weiter, die Finanzierung hält aber nicht Schritt. Wer den Kommunen immer neue Aufgaben überträgt, muss sie auch so ausstatten, dass sie diese Verantwortung tragen können.“

Mit ihrer Beteiligung am Aktionstag unterstützt die Stadt Grevenbroich die Forderung der kommunalen Spitzenverbände nach einer verlässlichen, dauerhaften und auskömmlichen Finanzierung kommunaler Aufgaben durch Bund und Land.