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Winterfütterung von Vögeln

Mit dem ersten Frost und den ersten Schneeflocken stellt sich für naturliebende Menschen alljährlich erneut die Frage, ob die Winterfütterung von Vögeln sinnvoll oder überflüssig ist.

Doch warum sollte die gutgemeinte Fütterung von Vögeln der Natur nicht helfen?

Die Futtergaben können zwar einige Gartenvögel vor dem winterlichen Nahrungsengpass schützen, aber eine natürliche Auslese, nämlich der von der Natur gewollte und auch wohl notwendige Tod von schwachen oder kranken Tieren wird dadurch verhindert.

Durch die Winterfütterung stärkt man nur wenige häufige Arten, die meist nicht in ihrem Bestand bedroht sind. Im Vergleich zu anderen gefährdeten Arten, die nicht am Futterhaus auftauchen oder den Zugvögeln werden Meisen, Drosseln und Finken in hoher Zahl gesund und munter durch den Winter gefüttert, während die Zugvögel nach langem Rückflug in die heimischen Brutgebiete geschwächt in der Heimat ankommen und eine hohe Zahl starker Konkurrenz beim Kampf um die besten Nistplätze und Reviere vorfinden.
Diesen Konkurrenzkampf können die seltenen Arten und die Zugvögel in der Regel nicht gewinnen!

Andererseits haben die Überwinterer in unserer zubetonierten und -asphaltierten Landschaft Probleme, auch im Winter hinreichend Nahrung zu finden.

Eine maßvolle Winterfütterung sollte deswegen auf absolute Notzeiten beschränkt werden, auch wenn das stattliche Angebot an Vogelfutter im Handel "Viel hilft viel" suggeriert.

Füttern sollte man nur bei andauernden Minustemperaturen, einer geschlossenen Schneedecke oder wenn es durch starken Raureif oder Eis den Vögeln nicht mehr möglich ist, ihr natürliches Futter zu erreichen. Bei starken Frösten benötigen die Tiere viel Energie, um ihre Körpertemperatur zu halten. Das verlorene Körpergewicht muss durch Nahrungsaufnahme ausgeglichen werden. Laboruntersuchungen an Meisen haben z.B. ergeben, dass diese in einer einzigen Nacht 10% ihres Körpergewichts verlieren, um ihre Körpertemperatur von ca. 40°C zu halten.

Das Futter muss vor Schnee und Regenwasser geschützt werden. Die unmittelbare Umgebung des Fütterungsplatzes sollte gut einsehbar sein, damit sich keine Katzen unbemerkt anschleichen können. Futterhäuser müssen für Katzen schwer erreichbar angebracht werden oder mit einem Abwehrgürtel aus Zweigen oder Draht (im Fachhandel z.B. bei Fa. Schwegler erhältlich) versehen werden.
In der Nähe sollte ein Baum oder Sträucher wachsen, damit die Vögel bei Gefahr dort Zuflucht finden können. Gleichzeitig sollte die Umgebung für die Vögel einsehbar sein, um die Annäherung von Katzen bemerken zu können.

Die Fütterungsstellen müssen regelmäßig gereinigt werden (heißes Wasser zur Desinfektion verwenden). Bei mangelnder Hygiene, z.B. infolge von Verunreinigungen durch Kot, kann es im schlimmsten Fall zu Krankheiten kommen. Ein verschmutztes Futterhaus fordert dann womöglich mehr Opfer als die winterliche Futterknappheit. Empfehlenswert sind in jedem Falle Futtersilos, die ein Sitzen der Vögel im Futter verhindern, so dass auch ein Verkoten der direkten Nahrungsquelle und die damit einhergehende Infektionsgefahr unterbunden wird.
Ins Häuschen gehört nur soviel Futter, wie die gefiederten Gäste an einem Tag fressen können. So ist das Futterhaus auch günstiger zu reinigen. Niemals einen Wochenvorrat ausstreuen und dann die Futterstelle ihrem Schicksal überlassen.

Wichtig ist, dass rechtzeitig vor der Dämmerung und zeitig früh Futter gereicht wird. Abends müssen die Vögel Energie für die frostige Nacht tanken und am darauffolgenden Morgen den während der Nacht erlittenen Energieverlust wieder ausgleichen.

Wer einmal eine Futterstelle eröffnet, sollte dann auch die Zeit des Frostes oder der geschlossenen Schneedecke durchhalten. Sonst fliegen die Vögel mit hohem Energieaufwand gewohnte Futterplätze an und finden diese dann leer vor.

Der Zoofachhandel bietet verschiedene Futtermischungen für weich- und körnerfressende Arten an.
Zu den Körnerfressern zählen Buchfink, Grünfink, Haussperling, Feldsperling, Goldammer, Gimpel und Stieglitz.
Weich- und Insektenfresser sind Amsel, Singdrossel, Ringdrossel, Rotkehlchen
Sowohl Körner- als auch Weichfutter wird von Kohlmeise, Blaumeise, Tannenmeise, Buntspecht und Kleiber genommen.

Ein billiges und vielseitig verwendbares Winterfutter bildet ein Gemisch aus Weizenkleie und Rindertalg mit einem Schuss Salatöl, das dafür sorgt, dass auch bei großer Kälte der Rindertalg nicht hart und brüchig wird. Der Rindertalg wird klein geschnitten und erhitzt. Wenn das Fett geschmolzen ist, mischt man Weizenkleie dazu in einem Mischungsverhältnis von etwa 1-2 Gewichtsteilen Rindertalg auf einen Teil Weizenkleie. daraus entsteht eine lockere, bröselige Masse, die auch von den Weichfressern wird. Nimmt man 5-6 Teile Rindertalg auf einen Teil Weizenkleie, dann entsteht eine Futtermasse, die man gießen kann. Für Schwanzmeisen, Baumläufer oder Buntspecht streicht man sie an die rissige Borke alter Bäume. Für Meisen und Kleiber lässt sich das Gemisch mit Sonnenblumenkernen und Hanf anreichern. In Blumentöpfe oder Futterhölzer gegossen und aufgehängt, kann es die handelsüblichen Meisenringe und Knödel gut ersetzen.

Ein ganz patentes und einfaches Rezept ist, ein Stück unbehandelten Rindertalg an einen Baumstamm zu binden. Meisen, Kleiber, Baumläufer und Spechte ernähren sich davon.

Menschliche Speisereste sind für die Fütterung ungeeignet, ebenfalls darf kein Futter vom Vorjahr verwendet werden. Auch Brotreste dürfen nicht verfüttert werden, da sie sich mit Feuchtigkeit vollziehen und im Vogelmagen aufquellen können.

Möchte man Obst (Apfel, Birne) füttern, dann niemals mund-, bzw. schnabelgerechte Häppchen servieren. Diese Eisbatzen können ebenfalls im Verdauungstrakt der Vögel eine unheilvolle Wirkung entfalten. Nur ganze oder halbierte Stücken auslegen, dort können sich die Vögel dann ungefährliche Stücke herauspicken.
Trinkwasser benötigen Vögel im Winter normalerweise nicht, der Bedarf an Wasser wird aus Schnee, Tau oder Früchten gedeckt. Der Wasserbedarf ist in der kalten Jahreszeit sowieso geringer.

Im Frühjahr ist es dringend erforderlich die Winterfütterung zu beenden. Die dann geschlüpften Jungvögel benötigen tierische Nahrung. Auch Körnerfresser wie der Spatz füttern ihren Nachwuchs mit Insekten, Raupen usw.. Wenn die Vogeleltern aus Bequemlichkeit das Körnerfutter aus dem Futterhäuschen verfüttern, schadet es der Brut. Das Verdauungssystem der Jungvögel ist nicht für solche Nahrung ausgelegt. Mangelerscheinungen bis hin zum Tod der Jungvögel wären die Folge.

Die Fütterung sollte aber nicht abrupt beendet werden, verringern Sie die Futtermengen allmählich und stellen Sie die Fütterung letztlich nach einigen Tagen ein.

Vögel sind Wildtiere und dürfen nicht durch übertriebene Fütterungsmaßnahmen vom Menschen abhängig werden, wie dies leider bei der Stockente in vielen innerstädtischen Gewässern bereits der Fall ist. Sie müssen auch in Notzeiten in der Lage bleiben, selbständig Futter zu finden.

Die Winterfütterung von Vögeln sollte auch keine Alibi-Handlung zur Beruhigung des Gewissens sein: Wer in der warmen Jahreszeit nur exotische Gehölze und Zuchtformen einheimischer Arten in seinen Garten pflanzt und ständig mit Gartenchemie oder Rasenmäher den Garten bearbeitet, wird durch das Aufstellen eines Futterhäuschens nicht zum wahren Naturschützer oder Vogelfreund.

So ist es beispielsweise besser, den Garten nicht im Herbst sondern erst im Frühling aufzuräumen. Welke Blätter, Laubhaufen und hohle Stängel dienen im Winter Spinnen und Insekten als Überwinterungsquartier Diese werden dort auch von den nahrungssuchenden Vögeln gefunden. Mit motorisierten Laubsaugern werden jeden Herbst ungezählte Kleinstlebewesen samt Laub eingesaugt, kleingehäckselt und den Vögeln als winterliche Nahrungsquelle entzogen. Selbst verblühte Blütenstände dienen Insekten als Unterschlupf während der kalten Jahreszeit. Die Insektenfresser können sich dort auf natürliche Art und Weise ihre fett- und eiweißreiche Nahrung abholen. Auch die Fruchtstände von Stauden und Sträuchern dienen im Winter Vögeln als natürliche Nahrungsquelle. Sonnenblumen können in die kalte Jahreszeit hinein stehen gelassen werden. Eventuell kann man die Blüten mit kleinen Netzen schützen, damit die Vögel nicht schon im Herbst die Körner auffressen.
Haben Sie Fragen zur Winterfütterung, Nistkästen oder Futtersilos, bitte sprechen Sie uns an.

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