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Hilfe für Igel

Ähnlich wie bei der Frage, ob eine Winterfütterung von Vögeln ökologisch sinnvoll ist, scheiden sich die Öko-Geister auch bei der Frage zur Sinnhaftigkeit von Hilfen für Igel im Winter. Die radikale Meinung sieht in der Hilfe für geschwächte und kranke Igel im Winter einen Eingriff in die natürliche Selektion, die es nur den stärksten ermöglicht, zu überleben und unterstellen damit auch unter dem Strich eine Schwächung des Gesamtbestandes unserer heimischen Igel.

Welche Igel brauchen Hilfe?
Der Igel ist ein Wildtier und steht bei uns unter Artenschutz. Er darf daher nicht aus der Natur entnommen werden, auch nicht aus dem eigenen Garten. Wird nun ein hilfsbedürftiger Igel gefunden, so werden die meisten verantwortlichen gesetzlichen Stellen die Inpflegenahme des Tieres im allgemeinen akzeptieren. Grundsätzlich muss man sich jedoch sachkundig machen und ggf. auch einen Tierarzt konsultieren.

Hilfe brauchen z.B.

  1. Verwaiste Igelsäuglinge
    Igeljunge, die sich tagsüber außerhalb ihres Nestes befinden, noch geschlossene Augen haben und sich womöglich kühl anfühlen, sind mutterlos. Im Zweifelsfall Nest und Umgebung einige Stunden beobachten!
  2. Verletzte Igel
    Oft deuten schon Fundort und -umstände (Strasse, Bauarbeiten) auf Verletzungen hin. Tiere, die vermutlich tagelang in Gruben, Lichtschächten o.ä. ohne Wasser und Futter gefangen waren, brauchen ebenfalls Hilfe.
  3. Kranke Igel
    Diese erkennt man meist daran, dass sie tagsüber Futter suchen, herumlaufen, -torkeln oder -liegen. Auf kranken Tieren (wie auch auf Säuglingen und verletzten Tieren) sitzen in der warmen Jahreszeit häufig Schmeißfliegen, die ihre Eier ablegen. Kranke Igel sind apathisch, rollen sich kaum ein, sind oft mager (Einbuchtung hinter dem Kopf, herausstehende Hüftknochen und eingefallene Flanken). Ihre Augen stehen nicht halbkugelig vor, sondern sie sind eingefallen und schlitzförmig.
  4. Ausnahmen bilden aufgestörte Igel.
    Wenn Laub- oder Reisighaufen entfernt, Holzstapel abgebaut, in Garten und Parks gearbeitet, Baumassnahmen begonnen werden oder Hunde herumstöbern, können Igelnester zerstört werden. Dann sucht auch ein gesundes Tier tagsüber einen neuen Unterschlupf. Auch säugende Igelweibchen wechseln manchmal tagsüber zwischen dem Aufzuchtnest und einem weiteren Tagesschlafplatz.
  5. Igel, die nach Wintereinbruch, d.h. bei Dauerfrost und/oder Schnee, herumlaufen.
    Auch solche Igel findet man vornehmlich am Tag. Es kann sich um kranke oder schwache Alttiere handeln, oft sind es aber Jungtiere, die spät geboren, evtl. auch krank sind und/oder sich wegen des geringen Nahrungsangebots im Herbst kein ausreichendes Fettpolster für den Winterschlaf anfressen konnten.

Was ist nun mit einem hilflosen Igel zu tun?
Zunächst ist das Tier zu wiegen, um sicher zu stellen, dass das gepflegte Tier in der Pflege nicht an Gewicht verliert. Unterernährte und geschwächte Tiere sollten am Tag 10 – 20 Gramm Gewicht zulegen.
Dann sollte versucht werden, das Geschlecht des Igels zu bestimmen. Das ist vor allem bei Alttieren in den Sommermonaten wichtig, da es sich um ein säugendes Muttertier handeln kann. Zur Geschlechtsbestimmung sollte man dem Igel über den Rücken streicheln, bis er sich ausrollt und ihn dann mit der flachen Hand langsam in Seitenlage bringen, damit die Bauchseite sichtbar wird. Das Männchen erkennt man an einem häutigen Knopf (Penisöffnung) in der Mitte der hinteren Körperhälfte, die Scheide des Weibchen liegt unmittelbar vor dem After.
Als nächstes wird der Igel auf Verletzungen untersucht. In der warmen Jahreszeit findet man Fliegeneier und -maden in Wunden, aber auch in den Körperöffnungen (z.B. Ohren, Mund, After) unverletzter, jedoch kranker und schwacher Tiere. Diese müssen unverzüglich entfernt werden. Fliegeneier sind weißliche, etwa 1,5 mm lange aneinanderklebende Stäbchen, Fliegenmaden kleine weißliche Würmchen. Diese müssen sehr sorgfältig mit der Pinzette abgesammelt werden.
Igelflöhe lassen sich am besten mit einem speziellen «lgelspray» (Zoohandlung) entfernen.
Zecken nicht mit Öl, Nagellack oder Klebstoff behandeln! Man fasst sie mit einer Pinzette möglichst dicht an der Haut des Igels und zieht sie ruckartig heraus. Vorsicht: Zecken nicht mit den Zitzen weiblicher Tiere verwechseln!
Die Tiere sollten nicht gebadet werden, denn diese Prozedur stresst den Igel zusätzlich!
Verletzungen zu versorgen ist Sache des Tierarztes; er hilft bei der Entfernung von Außen- und Innenparasiten. Außerdem kann er mit den entsprechenden Präparaten auch sehr geschwächten Tieren helfen.
Bitte merken Sie sich: ein kranker/verletzter Igel ist dringend auf fachmännische Hilfe angewiesen - Unterkunft und Nahrung alleine helfen ihm nicht!
Die Erstversorgung beinhaltet natürlich auch eine Fütterung des kranken Tieres. Dazu sind Hunde- oder Katzendosenfutter oder gehacktes Rindfleisch (kurz anbraten, ohne Gewürze) oder Rührei (ebenfalls ohne Gewürze, mit der Gabel zerdrücken) am besten geeignet. Igel sind zwar Insektenfresser und deshalb als Schädlingsvertilger im Garten gern gesehen, doch in der Gefangenschaft soll man sie nicht mit Schnecken, Regenwürmern usw. ernähren, weil diese Überträger von Innenparasiten sind.
Zum Trinken bieten Sie immer Wasser an, niemals Milch hinstellen. Milch bewirkt wegen des enthaltenen Milchzuckers Durchfall; in der Folge Darmentzündungen und Infektionen, die für den Igel tödlich enden können.
Schwachen Tieren flösst man mittels einer Plastikeinwegspritze (anstelle einer Nadel verwendet man ein Stückchen Fahrrad-Ventilschlauch, das über den Nadelaufsatz gestülpt wird!) lauwarmen, ungesüßten Fenchel- oder Kamillentee ein.

Unterbringung:
Igel sind Einzelgänger! Jeder Igel braucht also ein eigenes Gehege. Nur ganz junge Igel aus einem Wurf vertragen sich. Später gibt es bei ihnen eventuell Beißereien mit Verletzungsgefahr, auch Futterneid. Wiegen die Jungtiere etwa 350 g, sollte man sie trennen. Ein Igelgehege soll ca. 2 x 2m groß und absolut ausbruchsicher sein. Die Höhe der Seitenwände muss 45 bis 50 cm betragen. Am besten baut man das Gehege aus Holz-, Span- oder Hartfaserplatten und stattet es wegen der Wärmedämmung auch mit einem Boden aus. Diesen bedeckt man mit mehreren Lagen Zeitungspapier (nicht mit Sägemehl, Katzenstreu, o.ä.), das täglich (!), und zwar morgens zu wechseln ist. Zeitungslagen ermöglichen ein schnelles Reinigen des Geheges und in Streifen gerissene Lagen ergeben ein gutes Nestmaterial, das der Igel sehr gerne nimmt, um die Schlafstelle auszupolstern. Man kann eine genügend große Kartonschachtel als Schlafstelle verwenden. Das Papier im Schlafhaus tauscht man mindestens wöchentlich aus, immer aber dann, wenn es feucht und verschmutzt ist. Verwenden Sie bitte kein Heu oder Stroh! An den harten Stielen kann sich der Igel die Augen ausstechen.
Bitte achten Sie darauf, dass für das Gehege keine Materialien mit giftigen Bindungsmitteln/Stoffen verwendet werden.
Das Igelgehege wird in einen gut belüftbaren Raum mit Lichteinfall, normaler Luftfeuchtigkeit und Zimmertemperatur (18 bis 20 Grad) gestellt. Igel sind sehr geräuschempfindlich und schlafen tagsüber.
Auf keinen Fall sollte man Igel frei in Wohnräumen herumlaufen lassen. Mit Vorliebe kriechen sie in dunkle Ecken, etwa hinter Schränke und Heizkörper und kommen dann nicht mehr rückwärts heraus, weil sich ihre Stacheln abspreizen.
Das Wildtier Igel darf überdies nicht mit Haustieren in Kontakt geraten.
Hier ist nicht nur die Übertragung von Krankheiten möglich, der Instinkt des Igels, sich bei Gefahr einzurollen (etwa bei der Begegnung mit einem Hund), stumpft bald ab. Dies kann ihn später in der Natur das Leben kosten.

Gesunde Igel bitte sofort wieder freilassen!

Haben Sie - besser noch, der Tierarzt - erkannt, dass das aufgenommene Tier keiner menschlichen Hilfe bedarf, muss der Igel umgehend an seinen Fundort bzw. in dessen unmittelbare Nähe zurückgebracht werden.

Denken Sie bitte vor allem daran: Die beste Hilfe für den Igel ist ein naturnaher Garten mit Laub-, Reisig- und Holzhaufen zum Überwintern, heimischen Hecken und Gehölzen und ohne chemische Spritz- und Schädlingsbekämpfungsmittel!

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